Der Weg des Klangs ins Ohr.

Dies ist die eigentliche Aufgabe, mit der sich jeder Entwickler stereophoner Gerätschaften zu beschäftigen hat. Daß die Qualität der Wiedergabe dabei letztlich von der Qualität der Lautsprecher abhängt, hat sich mittlerweile ja selbst unter den Kompaktanlagen- Discountern herumgesprochen, was auch immer dann als vermeintlich gute Box angeboten wird. Für Klangpuristen ist die Auswahl der Lautsprecher die langwierigste und vielleicht schwierigste Aufgabe bei der Zusammenstellung einer Anlage.

Bereits 1923 befanden die Amerikaner Kelly und Rice, daß für die Zwecke der Musikwiedergabe elektrostatische Lautsprecher am geeignetsten seien. 1924 kamen Massolle, Vogt und Engl unabhängig davon in Deutschland zum gleichen Forschungsergebnis. Die Idee war einfach: Die Verzerrungsfreiste und exakteste Wiedergabe natürlichen Klanges läßt sich über eine hauchdünne, durchgehende Folie erreichen, die über elektrische Kräfte in Schwingungen versetzt wird.
Soviel zur Theorie. Die Sache hat aber noch einen gewaltigen Haken: Niemand war zu diesem Zeitpunkt in der Lage, ein solchen Leistungsanforderungen gerecht werdendes Übertragungsmedium herstellen zu können. Das änderte sich erst, als der amerikanische Chemiekonzern Dupond den Werkstoff Mylar auf den Markt brachte. Damit war die Voraussetzung für zwei bahnbrechende Neuerungen im High-Fidelity- Bereich geschaffen. Georg Neumann konstruierte das erste Kondensatormikrophon und Peter Walker entwickelte 1955 den ersten und über Jahrzehnte hinweg einzigen elektrostatischen Lautsprecher.
Statt über eine schwere Membran werden beim elektrostatischen Lautsprecher die Schallwellen über eine durchgehende Folie von der Stärke eines zweimal geteilten Haares übertragen. Durch dieses Medium mit einer Masse in vernachlässigbarer Größe wird eine praktisch verzerrungsfreie Abstrahlung gewährleistet und der Schalldruck und die Richtwirkung sind unabhängig von der jeweils gelieferten Frequenz; kurzum, eben jene angestrebte größtmögliche Annäherung an den Originalton wird erreicht.

Man muß es hören: gerade in der Wiedergabe eines Ensembles wie etwa einer Jazz- Band, eines Streichquartetts, einer Konzertaufnahme oder der Wiedergabe der Menschlichen Stimme ist die hier verwirklichte Klangreproduktion kaum zu übertreffen.

Elektrostatische Lautsprecher haben sich als Referenzmonitore etabliert.

Viele Tontechniker und Elektroakustiker benutzen sie, um die Qualität ihrer Arbeit so genau wie nur möglich zu überprüfen.

Als 1990 in Berlin die Tonmeister der Ost und westdeutschen Rundfunkanstalten ihre Monitorlautsprecher miteinander vergleichen wollten, benutzten sie einen elektrostatischen Lautsprecher als unparteiischen Schiedsrichter.

Elektrostatische Lautsprecher sind im Impulsverhalten und in der Klangreinheit kaum mit herkömmlichen Lautsprechern zu vergleichen.

 

     
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