Der elektrostatische Schallwandler, eine Frage der Masse ?

Insbesondere elektrostatische Lautsprecher kommen dem Ideal eines Lautsprechers mit masseloser Membran, aufgehängt im freien Raum, am nächsten.
Elektrostatische Schallwandler basieren auf der Tatsache, daß sich gleichnamige elektrische Ladungen abstoßen, während sich ungleichnamige anziehen.
Die großflächige nur an den Rändern eingespannte Membran besteht aus einer hauchdünnen und extrem leichten, elektrisch leitenden Folie, die mit einer sehr hohen Gleichspannung aufgeladen wird.
Die Statoren vor und hinter der Membran, die von Spezial-Übertragern Ihr Musiksignal erhalten, sorgen für die Bewegung der Membran im Takt der Musik. Im Vergleich zu herkömmlichen Lautsprechern müssen elektrostatische Lautsprecher bedeutend weniger Gewicht bewegen, weniger als die Masse der Luft die sie in Bewegung versetzen. Außerdem erfolgt der Antrieb über die gesamte Membranfläche.

Daraus resultieren enorme Vorteile für daß Impulsverhalten.

Bei geschickter Auslegung können elektrostatische Lautsprecher den gesamten Hörbereich ohne elektrische Frequenzweiche übertragen.
Es entfallen somit auch alle Nachteile der Frequenzweichen.
Wie alle Filterschaltungen erzeugen Frequenzweichen Signalveränderungen nach Betrag und Phase. Außerdem entstehen Einschwingverzerrungen bei Impulsen. Diese Auswirkungen ergeben sich bei passiven oder aktiven Filtern in gleicher Weise wie bei analogen oder digitalen Filtern von Frequenzweichen.

Sie lassen sich nicht beseitigen, sie bleiben immer hörbar.

Die einzige Lösungsmöglichkeit besteht darin, die Frequenzweichen ganz wegzulassen.
Frei von frequenzweichen- und viellautsprechersystem- Verzerrungen, die bei einem Mehrwegelautsprecher immer auftreten, kann der elektrostatische Lautsprecher seine Klangreinheit frei entfalten.

In der Praxis relativiert sich der Vorteil der geringen Masse der hauchdünnen Folie jedoch. Das Gewicht der Luft unmittelbar vor und hinter der Membran muss strenggenommen hinzugerechnet werden.
Je tiefer die Frequenz, desto größer wird auch das Luftvolumen, das die Folie bewegen muss. Deshalb kommt die bei Flächenstrahlern objektiv schnellere Umwandlung von elektrischem Strom in Schall im Bass-bereich auch nicht mehr zum Tragen. Tatsache bleibt aber, dass elektrostatische Lautsprecher oft einen subjektiv "schnelleren" Klangeindruck hinterlassen. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, das der elektrostatische Lautsprecher ohne Gehäuse auskommt. Unerwünschte Resonanzen, die den Klang künstlich aufdicken und "langsam" machen, entfallen somit weitgehend. Außerdem arbeitet der elektrostatische Lautsprecher über die gesamte Fläche der Schallwand. Der Hörraum wird dadurch wesentlich gleichmäßiger angeregt, als bei einem punktförmig, abstrahlenden Konus- Lautsprecher.

Die Wiedergabe des gesamten Hörbereiches durch eine einzige, langgestreckte, Schallquelle läßt Probleme durch Phasendrehungen oder Impulsverzerrungen garnicht erst entstehen.
Lange, sogenannte "Line- Sources" richten den Schall bis in tiefe Frequenzregionen. Dieses prinzipbedingte Verhalten hat viele Vorteile. Durch die definierte Richtwirkung können störende frühzeitige Boden und Deckenreflexionen weitestgehend ausgeblendet werden. Zudem regt ein Flächenstrahler vorwiegend Raumresonanzen an, die sich in Abstrahlrichtung befinden. Raumgrundresonanzen in Querrichtung wirken sich deshalb weniger Störend aus, der Klang wirkt entschlackter und somit subjektiv auch "schneller".
Ein 170 cm hoher elektrostatischer Lautsprecher wird ein eben so hohes zylindrisches Schallfeld erzeugen.
Wiedergabefrequenzgang , Impulstreue und Phasenverhalten sind beispielhaft. Die Tatsache, dass Schall von einer großen Fläche und nicht punktförmig abgestrahlt wird, erklärt die gleichbleibend hohe Klangqualität mit ausgezeichneter Definition und Räumlichkeit in jeder Hörposition. Selbst die akustischen Gegebenheiten des Wiedergabe- raumes haben einen erheblich geringeren Einfluss auf den Frequenzgang der reproduzierten Musik.

Eine flache Membran von ausreichender Größe wird die höheren Frequenzen spotartig bündeln.
Elektrostatische Lautsprecher älterer Machart haben in der Tat ein Problem mit ihrem "Sweet Spot" .
Durch selektive Ansteuerung einzelner Membranteile kann dieser Bündelung in horizontaler Ebene entgegen gewirkt werden. Moderne elektrostatische Lautsprecher machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Ein für Elektrostaten ungewöhnlich breiter Hörbereich erlaubt es nun auch "Mithörer" in den vollen Genuß dieses Klangbildes zu kommen.

Dipol - Flächenstrahler müssen in geringem Abstand zur Rückwand aufgestellt werden, da sich sonst die gegenphasigen Schallanteile im Tief- und Grundtonbereich auslöschen. Befindet sich hinter dem elektrostatischen Lautsprecher eine reflektierende Wand, so überlagert sich der zu reflektierende Anteil mit dem nach vorn abgestrahlten Schall. Das führt zu vielfältigen Auswirkungen. Im wesentlichen ergibt sich dabei eine Anhebung bei der Frequenz


F = 344 / 4 L


Wobei L die Distanz zwischen Wand und Lautsprecher ist, und eine Abschwächung bei der Frequenz


F = 344 / 2 L


Vielleicht rührt der Irrglaube, elektrostatische Lautsprecher seien besonders aufstellungskritische Schallwandler, von dieser Tatsache.

Richtig ist jedoch daß elektrostatische Lautsprecher gerade aufgrund ihrer Abstrahleigenschaft störende Raumeinflüsse auf ein Minimum reduzieren. Die starke vertikale Richtwirkung der großen Membranfläche sorgt für einen hohen Direktschallanteil im Raum.

Entfernt man sich von einer punktförmigen Schallquelle, nimmt der Schalldruck mit jeder Abstandsverdoppelung um 6 dB ab.

Pegel des indirekten Schalls

 

Bei einer ausreichend langgestreckten Schallquelle beträgt die Abnahme hingegen nur 3 dB.

 

Dies bedeutet aber eine gleichmäßigere Schallverteilung innerhalb des Hörraumes und eine Vergrößerung der Stereohörzone.

 

Neben der prinzipbedingten Präzision der elektrostatischen Lautsprecher trägt dies dazu bei, daß elektrostatische Lautsprecher auch in größerem Hörabstand und in weniger bedämften Räumen nichts von ihrer faszinierenden Detailgenauigkeit einbüßen.
Die Folge ist ein ungemein realistisches räumliches Abbild des Originals. Bei aller Analytik und extremer Feinauflösung bleibt der elektrostatische Lautsprecher sanft und unaufdringlich.
Er differenziert feinste Nuancen mit Ruhe und Gelassenheit. Er offenbart Facetten, die man bisher überhört hat.
Mit einem elektrostatischen Lautsprecher kann man Musik neu entdecken und neu erleben. Mit seiner Souveränität und Entspanntheit schöpft der elektrostatische Lautsprecher jede Menge Details aus der Musik. Hören Sie entspannt Ihre lieblings Musik, selbst in komplexen Passagen kommt keine Nervosität auf. Die elektrostatische, lautsprechertypische, Feindynamik und Genauigkeit der musikalischen Abbildung ist kaum zu übertreffen.

Erleben sie ein Klangbild wie es nur einem elektrostatischen Lautsprecher vorbehalten ist.

Durch konstruktive Maßnahmen ist es gelungen den Impedanzverlauf moderner elektrostatischer Lautsprecher, für den treibenden Verstärker, verträglicher zu machen. Stromzehrende niedrige Impedanzen, unter ein Ohm, müssen nicht sein.
Da die maximale Abhörlautstärke im häuslichen Hörbereich keine allzugroße Rolle spielt können nun auch kleine, aber feine, Endstufen und Vollverstärker genutzt werden.
Sicherlich ist es aber auch beruhigend zu wissen daß die neuen elektrostatischen Lautsprecher auch " L a u t s p r e c h e r " sind.

Sie sind hoch belastbar und zu jeder Klangtat bereit.

Im Impulsverhalten sind Sie kaum mit herkömmlichen Lautsprechern zu vergleichen.
Die schlanke, hochgereckte Bauform und das elegante Äußere hebt sich wohltuend von der 1001. Variante einer Holzkiste ab.

 

     
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